Donnerstag, 13. Dezember 2007

Wie wichtig ist die Kenntnis der Wasserwerte?

In den aquaristischen Internetforen liest man häufig, dass die richtigen Wasserwerte eine wichtige Voraussetzung für die Haltung unserer Zierfische sind. Die dafür notwendigen Wassertests werden geradezu als Muss jedem verantwortungsbewussten Aquarianer aufgedrängt. Diskutiert werden eine Hand voll verschiedener Tests für pH, Nitrit, Nitrat und Härte, ganze Testkoffer oder auch elektronische Messgeräte für pH Wert, Leitfähigkeit etc. werden schon dem Anfänger empfohlen, selbst wenn er Standart-Zierfische, die jeder Baumarkt oder jedes Fachgeschäft stets vorrätig hat, pflegen möchte.
Darüber hinaus werden die Teststäbchen als unbrauchbar abqualifiziert, weil sie viel zu ungenau seien. Die Tropfentests sollten eine möglichst exakte quantitative Bestimmung ermöglichen und sie sollen eine feine Abstufung besitzen.
Immer wieder werden in der Folge dann auch konkrete Werte genannt, sei es in den Diskussionen oder es wird auf Artendatenbanken verwiesen in denen Wasserwerte genannt werden. Dabei handelt es sich meist um den pH Wert und um die Härte.

Wie wichtig sind die einzelnen Werte für das Ökosystem Aquarium und seine Bewohner?
Abgesehen von toxischen Stoffen wie Nitrit oder Schwermetallen wie Kupfer haben verschiedene Stoffe Einfluss auf die Physiologie der Fische oder Pflanzen oder auf die weitere Fauna und Flora wie Bakterien und Algen.

Der pH Wert
Die direkte Wirkung stark sauren oder stark alkalischen Wassers auf den Fisch betrifft die äußere Verätzung der Kiemen und der Haut. Dies ist wohl nur bei sehr extremen Werten unterhalb von 4,0 oder oberhalb von 9,x gegeben. Den pH Wert der Körperflüssigkeiten, Blut und intrazellulärer wie extrazellulärer Flüssigkeiten, regelt der Fisch über Kiemen, Niere und andere Organe. Der Blut pH wird bei allen Wirbeltieren ähnlich geregelt und dürfte so um 7,5 herum betragen.
Bei den Pflanzen habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie in leicht saurem Wasser besser stehen.
Bakterien, soweit sie nicht im freien Wasser flotieren, siedeln in Biofilmen. Der pH innerhalb dieser Filme wird durch den Stoffwechsel und die Ausscheidungen der Mikroorganismen bestimmt und kann innerhalb der Biofilme schwanken und vom pH im freien Wasser abweichen.

Osmotischer Druck
Osmose ist der Ausgleich von Konzentrationen der Stoffe in wässrigen Lösungen, die durch eine halbdurchlässige Membran getrennt sind. Je höher der Konzentrationsunterschied, umso stärker ist der osmotische Druck.
Wenn wir die Leitfähigkeit als ein Maß für den Ionengehalt von Lösungen nehmen und deren Unterschied als Maß für den osmotischen Druck, so bedeutet das für den Organismus der Fische Folgendes. Die Leitfähigkeit des Blutes liegt bei ca. 15 000 µS/cm, die des Aquarienwassers etwa bei 500 – 1000 µS/cm. Der Fisch nimmt also ständig Wasser auf, um zu einem Ausgleich zu kommen. Die Ausscheidungsorgane, wie die Niere, sind dabei bestrebt die wertvollen Stoffe zurück zu halten. Fische besitzen also ein aktives System den Konzentrationsunterschied aufrecht zu erhalten. Die Aufnahme wichtiger Stoffe geschieht über die Nahrung und zum anderen über die Kiemen. Hier besitzen sie Zellen, die bestimmte Stoffe aufnehmen können, bekannt sind die Ionozyten, mit denen verschiedene Salze aufgenommen werden.

Die Karbonathärte
Die Karbonathärte, Kurzbezeichnung KH, oder genauer das Säurebindungsvermögen (SBV), ist ein Maß für die Pufferung und Stabilität des pH Wertes im Wasser. Grob gesagt, je höher die Karbonathärte ist, umso höher und stabiler fällt auch der pH Wert aus. Sie bildet zusammen mit dem Gehalt an Kohlensäure das wesentliche Puffersystem im Aquariumwasser.

Die Gesamthärte
Kurzbezeichnung GH, bezeichnet den Anteil der Kalzium und Magnesium Ionen im Wasser. Je höher dieser Wert ist, umso härter ist unser Wasser.
Die meisten unserer Zierfische stammen aus Gewässern mit weichem Wasser.

Giftige Stickszoffverbindungen
Ammoniak und Nitrit sind Zwischenprodukte beim Abbau stickstoffhaltiger Stoffe. Sie sind giftig für die Fische. In einem eingefahrenen Aquarium mit einer funktionierenden Mikroorganismenfauna treten sie praktisch nicht mehr auf.
Nitrat, das Endprodukt des Stickstoffabbaus (Nitrifikation), und Phosphat können sich im Aquarium ansammeln und anhäufen. Sie sind in den üblichen Konzentrationen nicht giftig für die Fische. Ihre Wirkung auf Pflanzen und Algen wird diskutiert. Sie sollen in hohen Gehalten das Wachstum der Algen begünstigen und das der Pflanzen hemmen.

Fazit
In der Anfangsphase mag es wichtig sein die Wasserwerte zu kennen, als Orientierung reichen aber auch die Angaben der Wasserversorger und den Verlauf von Ammoniak und Nitrit zu verfolgen, als Entscheidungshilfe für den Besatzzeitpunkt des Aquariums.
Je länger man aber dieses Hobby betreibt, umso seltener wird man zu den Wassertests greifen. Erfahrene Aquarianer benutzen diese Tests nur gelegentlich, regelmäßig nur dann, wenn sie ihr Wasser besonders aufbereiten.
Wer sein Wasser aufbereitet, sei es mit Torf, Umkehrosmose, Ionentauschern oder auch mit mineralischen Säuren, der tut gut daran bestimmte Wasserwerte zu überprüfen.
Die Kenntnis und Kontrolle der Wasserwerte hilft auch beim Verständnis der biologischen und chemischen Vorgänge im Aquarium.
Eine erfolgreiche Aquaristik ist aber auch ohne Wassertests und deren regelmäßige Kontrolle möglich.