Allgemeines:
Für den Aquarianer und seine Fische ist die Qualität seines Wassers von einiger Bedeutung. Fische vor allem aber Pflanzen brauchen gewissen Inhaltsstoffe für ein gutes gedeihen. Einen ersten Überblick darüber kann die Analyse des Leitungswassers geben. Jeder Versorger unseres Leitungswassers ist verpflichtet seine Trinkwasseranalysen zu veröffentlichen. Häufig finden wir diese Analysen bereits im Internet veröffentlicht, wenn dies nicht der Fall ist, so können wir sie bei unserem jeweiligen Versorger einsehen oder anfordern.
Diese Liste enthält eine mehr oder weniger grosse Anzahl an Analysedaten und eine Aufzählung verschiedener Inhaltsstoffe. Welche dieser Angaben sind nun für uns Aquarianer wichtig und welche Bedeutung haben sie ?
pH Wert:
Die erste Angabe die der Hobbyaquarianer sucht ist meistens der pH Wert. Nun sollte man allerdings wissen, dass sich der pH Wert stets nach den Inhaltsstoffen des Wassers neu ergibt. Da die Wasserversorger gehalten sind ihre Wasserleitungen schonend zu behandeln und zu erhalten, sind sie bemüht alle agressiven Stoffe aus dem Wasser zu entfernen. Das betrifft auch Säuren und die Ablagerung von Kalk. Deshalb ist das Leitungswasser meist im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht auch als Calcitsättigung bezeichnet. Ein solches Wasser hat häufig einen pH in der Nähe von 8,0, er kann aber zwischen 7,2 und ca. 8,0 betragen.
Im Aquarium verliert sich dieser Zustand aus verschiedenen Gründen und der pH Wert kann sich verändern, meist sinkt er etwas ab.
Der pH Wert des Leitungswassers ist für den pH im Aquarium daher relativ uninteressant.
Gesamthärte:
Auch diese Angabe findet sich stets in den veröffentlichten Analysen an vorderster Stelle. Häufig wird ein Härtebereich angegeben, dieser deckt sich mit der Anleitung zur Dosierung von Waschmitteln auf deren Verpackung. Diese Härtebereiche sind nur ein grober Anhalt für die GH. Wir suchen nach einer genaueren Angabe und finden sie entweder unter der Bezeichnung Gesamthärte oder unter dem Begriff Summe der Erdalkalien.
Heute ist es üblich die Angaben in mmol/l oder mol/m³ zu machen. In der Aquaristik verwenden wir (leider) nach wie vor die Einheit Grad deutscher (Gesamt)Härte oder °dGH. Man kann mmol/l oder auch mol/m³ umrechnen in °dGH indem man diesen Wert mit 5,6 multipliziert.
Karbonathärte:
Im klassischen Sinn ist die Karbonathärte der Teil der GH, die an Hydrogenkarbonate gebunden ist. Heute verstehen wir unter der KH aber das Säurebindungsvermögen, das im Wasser im Wesentlichen durch alle Hydrogenkarbonate bestimmt wird. Die heute gebräuchliche Einheit ist ebenfalls mmol/l oder mol/m³, in der Aquaristik wird aber noch die alte Angabe in Grad deutscher (Karbonat)Härte oder °dKH verwendet.
In den Analysen finden wir diese Angaben auch unter dem Begriff Säurekapazität bis pH 4,3.
Der Umrechnungsfaktor von mmo/l oder mol/m³ in °dKH beträgt hier 2,8.
Leitfähigkeit:Reines Wasser leitet elektrischen Strom nur in sehr geringem Maße. Je höher jedoch der Anteil gelöster Salze (Ionen) im Wasser ist, um so besser wird der Strom geleitet. Grob gesagt ist die elektrische Leitfähigkeit also ein Maß für die Salinität oder den Salzgehalt des Wassers bzw. seinen Ionengehalt.
Die Maßeinheit ist Siemens pro Meter (S/m) in der Aquaristik benutzen wir die Größenordnung Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm).
Man darf die Leitfähigkeit aber nicht der Wasserhärte gleichsetzen, denn die Härte wird lediglich durch den Gehalt an Erdalkaliionen ausgedrückt, die Leitfähigkeit ist quasi ein Maß für die Summe aller Ionen.
Nitrat:
Im Aquarium stellt Nitrat das Endprodukt der Nitrifikation dar und ist ein Indikator für‚ Verschmutzung’ des Wassers. Allerdings kann das Trinkwasser bereits eine gewisse Menge an Nitrat mitbringen, Dieser Grenzwert beträgt 50 mg/l. Auch dieser Wert wird in den Analysen stets genannt und zeigt uns also die ‚Vorbelastung’ des Wassers an.
Die anderen Wasserwerte in den Trinkwasseranalysen sind meiner Meinung nach in ihrer Bedeutung für die aquaristische Praxis nicht so wichtig.
weitere Informationen:
Wasserwerte im Aquarium
Die Liste kann um weitere Parameter ergänzt werden. Deshalb meine Bitte; wer Wünsche oder Fragen bezüglich bestimmter Werte hat, die hier aufgenommen werden solllten oder die er beantwortet haben möchte, darf dies gerne per email an mich äussern, oder auch als Kommentar formuliert hier einstellen.
4 Kommentare:
Hallo Knut,
du schreibst in diesem Artikel, dass der Leitwert des Wassers nicht mit der Gesamthärte gleichzusetzen ist.
Ich bin neulich über folgende Seite "gestolpert":
http://www.altwasser-aquarium.de/berechnungen/leitwertindex.php
Die Ergebnisse habe ich zwar nicht im Detail nachgeprüft, kommen mir aber zumindest plausibel vor.
Habt ihr euch damit schonmal beschäftigt?
Hallo Dominik,
beim Verschneiden von Leitungswasser oder Aquarienwasser mit Osmosewasser oder Wasser aus einem Vollentsalzer, beide enthalten (im Idalfall) ausser Wasser keine weiteren Inhaltsstoffe, weder Härte noch andere Ionen, vermindere ich immer die Inhaltsstoffe im Mischungsverhältnis, das gilt für die GH und KH oder jeden anderen Stoff.
Mit der Leitfähigkeit verhält es sich ein klein wenig anders. das zu erklären sprengt aber den Rahmen hier.
Gruß Knut
Hallo Dominik,
bei dieser Berechnung wird davon ausgegangen, dass in einem durchschnittlichen Wasser ca. 33 µS/cm ~ 1° dGH entsprechen. Dieses ist ein Durchschnittswert. Mein Leitungswasser hat eine leitfähigkeit von ca. 480 µS/cm bei einer Gh von rund 6°.
Gruß Knut
Hallo Knut,
worauf bezieht sich bei der Berechnung der Karbonathärte der Faktor 2,8? Auf die Karnonathärte oder die Säurekapazität bis pH 4,3?
Mein Wasservesroger gibt die Karbonathärte mit 0,92 mmol/l und die Säurekapazität bis pH 4,3 mit 1,84 mmol/l an. Ich vermute daher, dass der Faktor sich auf die Säurekapazität bezieht (doppelter Wert, daher halber Faktor).
Wollte nochmal auf Nummer sicher gehen und Dich auf etwas missverständliche Ausdrucksweise hinweisen.
Gruß
Alex
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